Kohörenzsinn

Kohärenzsinn

Kohärenzsinn als Widerstandfaktor gegen Stress

Der Kohärenz-Sinn („sense of coherence“ (SOC)) wurde von Aaron Antonovsky untersucht und etabliert. Es zeigte sich, dass Menschen mit hohem Kohärenzsinn besonders widerstandsfähig gegenüber Stress sind. Daher stellt der SOC ein „Widerstandsfaktor“ gegenüber Stress dar! Der entscheidende gesunderhaltende („salutogenetische“) Faktor liegt dabei wohl v. a. in einer bestimmten Einstellung gegenüber sich selbst und der Außenwelt.

Antonovsky definiert den SOC wie folgt: „Eine globale Orientierung, die das Ausmaß ausdrückt, in dem jemand ein durchdringendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, daß erstens die Anforderungen aus der internalen und externalen Umwelt im Verlauf des Lebens strukturiert, vorhersagbar und erklärbar sind, und daß zweitens die Ressourcen verfügbar sind, die nötig sind, um den Anforderungen gerecht zu werden. Und drittens, daß die Anforderungen Herausforderungen sind, die Investitionen und Engagement verdienen“ (Antonovsky 1993).

Öfters betont Antonovsky daher, daß es sich beim Kohärenzsinn um eine globale Orientierung handelt. Es geht ihm um eine allgemeine Art, die Welt zu betrachten, sich ihr zu nähern und ihre Anforderungen zu bewältigen.

Antonovskys SOC setzt sich aus drei Komponenten „comprehensibility“ (Verstehbarkeit), „manageability“ (Handhabbarkeit) und „meaningfulness“ (Sinnhaftigkeit) zusammen.

Comprehensibility ist eine kognitive Komponente, die es ermöglicht, Sinn zu erzeugen. Sie meint die Fähigkeit, aus den zunächst chaotisch erscheinenden Stimuli und Informationen des inneren und äußeren Umfelds einen verstehbaren Zusammenhang herzustellen. Daß gerade diese Komponente bei der Abwehr von Streß besondere Bedeutung hat, ist offensichtlich. Was als sinnvoll interpretiert wird, entwickelt sich gar nicht erst zum Distreß, ja im Gegenteil: es kann sogar als Herausforderung empfunden werden.

Die zweite Komponente des SOC ist manageability . Es geht hierbei um ein Vermögen, unter Belastungen innere und äußere Ressourcen mobilisieren zu können. Für Antonovsky kommt es dabei nicht darauf an, ob diese psychische Ressource unter der eigenen Kontrolle oder unter der Kontrolle „legitimierter anderer“ steht wie zum Beispiel des Ehepartners, von Freunden, Kollegen, Gott oder einer politischen Partei. Entscheidend ist bei diesem Merkmal, daß man nicht das Gefühl hat, Opfer zu sein. Was auch immer im Leben geschieht, man wird es bewältigen und nicht endlos darunter leiden. Die Fähigkeit, seine Rolle am Arbeitsplatz zu strukturieren bzw. eine solche Kontrolle zur eigenen Entlastung durch andere ausführen zu lassen, gehört in dieses Feld. Der auf diesem Wege vermiedene oder abgewehrte Streß wäre das positive Resultat einer entwickelten Fähigkeit, die Dinge zu „managen“.

Die dritte Komponente des Kohärenzsinns ist „meaningfulness“ (Sinnhaftigkeit). Es handelt sich um eine emotionale oder motivationale Komponente des menschlichen Erlebens, die sich in der Fähigkeit ausdrückt, Belastungen sowie die zahllosen großen und kleinen Anforderungen des Lebens als sinnhaft zu erfahren. Ein wichtiger Aspekt der Sinnhaftigkeit ist der emotionale Gesichtspunkt der Bedeutsamkeit. Personen mit einer starken Fähigkeit, das Leben als sinnhaft zu erfahren, betrachten vieles in ihrem Alltag als wichtig und bedeutsam, wert sich dafür zu engagieren. Sie sind daher am ehesten in der Lage, belastende Vorfälle und Ereignisse als Herausforderung zu betrachten und Stress überhaupt nicht aufkommen zu lassen.

Quellen:

Antonovsky, A., 1979, Health, stress and coping, San Francisco: Jossey-Bass

Antonovsky, A., 1993, Gesundheitsforschung versus Krankheitsforschung, in: Franke, A. u. Broda, M., Psychosomatische Gesundheit, Tübingen: dgvt-Verlag

http://www.ub.uni-duesseldorf.de/home/etexte/diss/diss_files/415.pdf