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... im August 2007
11.08.2007, Gefunden unter http://www.krone.at/index.php?http%3A//wcm.krone.at /krone/S14/object_id__75563/hxcms/ >>>
Stress durch Langeweile?
Sich zu Tode langweilen – das ist anscheinend eine neue Krankheit unserer Dienstleistungsgesellschaft. Das Phänomen des so genannten Bore-Out-Syndroms hat Einzug in unsere Jobs gehalten. Die betroffenen Mitarbeiter sehen nach Außen hin unglaublich beschäftigt, ja fast schon überfordert aus. In Wahrheit sind sie jedoch unterfordert, und verwenden alle ihre Energie darauf, beschäftigt auszusehen. Denn viel beschäftigte Menschen sind in unserer Gesellschaft hoch angesehen. Doch auch Unterforderung stellt unsere Gesundheit und unser Seelenleben auf die Probe. Das Bore-Out-Syndrom – zu Deutsch so viel wie „Ausgelangweilt sein“ – tritt jedoch nicht bei faulen Mitarbeitern auf. Die wahre Ursache liegt darin, dass der Mitarbeiter permanent über einen längeren Zeitraum unterfordert ist, oder die Zuständigkeiten im Büro nicht klar definiert sind, weil sich zu viele Menschen gleichzeitig mit einem Bereich befassen. Die Mitarbeiter greifen dann zu den gefinkeltsten Strategien, um gestresst zu wirken. Denn wer gestresst ist, der ist wichtig.
Strategie 1 – Erster und Letzter
Der Mitarbeiter ist morgens als erster im Büro, und dreht abends als letzter den Computer aus. So kann er die ruhigen Morgenstunden für ungestörte Telefonate nützen, Internet surfen, Zeitung lesen oder einfach gemütlich frühstücken. Sobald die ersten Kollegen oder Chefs auftauchen, widmet er sich mehr oder weniger intensiv seiner Arbeit – und genießt dafür hohes Ansehen in der Firma ob seines scheinbaren Fleißes.
Strategie 2 – Komprimieren
Der Mitarbeiter wird mit einer Aufgabe betraut, für deren Erledigung er einen viel größeren Zeitraum angibt, als er tatsächlich braucht. Der Mitarbeiter erledigt den Job so schnell wie möglich, und verbringt den Rest der Zeit damit, sich zu langweilen und beschäftigt zu wirken.
Strategie 3 – Schuld sind immer die anderen
Eine Aufgabe wartet darauf, vom Mitarbeiter erledigt zu werden, die auch von anderen Abteilungen abhängig ist. Der Mitarbeiter gibt vor, an der schnellen Abstimmung interessiert zu sein, in Wahrheit unternimmt er jedoch nur halbherzige Versuche, mit den Kollegen in Kontakt zu treten. Er versucht immer dann, einen Kollegen zu erreichen, wenn dieser so gut wie nie im Büro anzutreffen ist. Er 'vergisst' Emails zu schreiben oder Post abzuschicken. Fragt der Chef nach dem Fortschritt der Aufgabe, dann sind immer die anderen schuld. Seine Leerzeit füllt er mit privater Korrespondenz und Kaffeepausen.
Strategie 4 – Lärm
Der Mitarbeiter verkriecht sich hinter seinem Bildschirm. Danach ist für mehrere Stunden nur mehr ein lautes Hämmern auf der Tastatur zu hören. Alle Welt denkt, den fleißigsten Kollegen der Welt zu haben – in Wahrheit spielt dieser nur fleißigst Moorhuhn. Ebenso kann mit einem Stift emsig herumgekritzelt werden, oder Aktenberge von einem Eck des Schreibtischs zum anderen verfrachtet werden.
Wege aus der Krise
Was sich fast kurios anhört, wird jedoch für Betroffene schnell zu einer wirklich unbefriedigenden Situation. Es ist anstrengend und wenig zufriedenstellend, seine Energie dafür einzusetzen, um zu lügen und einen Schein aufrecht zu erhalten. Die Mitarbeiter sind oft zu tiefst unglücklich und fühlen sich in ihrem Job fehl am Platz.
Wird eine Situation untragbar, dann sollte das Gespräch mit dem Chef gesucht werden. Denn oft reichen schon neue Aufgabengebiete und neue Herausforderungen, um die Situation deutlich zu verbessern. Nützt alles nichts, so hilft nur mehr ein Jobwechsel, eventuell sogar ein kompletter Branchenwechsel. Denn nur so kann ein glückliches Lebensgefühl wieder zurückgewonnen werden.